Outingbeispiel aus Köln

Ein Beispiel für ein gelungenes Outing am Beispiel eines Kölner Kollegen

2001 kam ich zum Polizeipräsidium Köln. Von Beginn an hatte ich mir vorgenommen, dass ich den Kollegen an meiner neuen Dienststelle (Wach- und Wechseldienst) erst mal Zeit gebe, mich unvoreingenommen kennen zu lernen – schließlich wollte ich mir mit einem Outing á la „Hier bin ich – ich bin übrigens schwul“, am ersten Tag nicht direkt Türen verbauen.

Nach einigen Wochen war ich gut integriert und auf einer der Dienstgruppen- Parties erzählte ich dann beiläufig, dass ich seit 6 Jahren mit meinem Freund zusammen bin.

Keiner reagierte negativ – der Umgang damit war völlig unkompliziert und locker. Selbst diejenigen, die zuvor schon mal gelegentlich Sprüche über Schwule machten, reagierten cool.

Von da an gab es für jeden Streifenpartner, der ein unbedachtes „schwule Scheiße“ o.ä. fallen ließ einen, pädagogisch unbedenklichen, Boxschlag auf den Oberarm oder Oberschenkel und nach wenigen Monaten waren diese Äußerungen (zumindest in meiner Gegenwart) passé.

Rechtfertigungen wie „dass meine ich nicht so.“ oder „das sagt man doch nur so“ darf man dabei nie gelten lassen!

Zuvor hatte ich lediglich einmal eine negative Erfahrung gemacht, wie sie in den anderen Leserbriefen geschildert wurden – und selbst die hatte letztendlich einen bemerkenswerten Ausgang :

Am letzten Tag meines Praktikums in einem KK saßen ich und die Kollegen bei einem Abschiedsbierchen zusammen. Einer fing unvermittelt davon an, dass er neulich ein „Kampflesbenpäärchen“ gesehen habe und legte dann mit sämtlichen Vorurteilen und Dummheiten los, die man sich nur so in Bezug auf Homosexuelle vorstellen kann. Ich, bis zu diesem Zeitpunkt in diesem Kreise ungeoutet, steuerte dagegen und hielt meinen kleinen Standartvortrag über die Vielfältigkeit des schwul-lesbisch Lebens und darüber, dass sich Heten und Homos eigentlich sowieso kaum voneinander unterscheiden. Selbst als alle anderen Kollegen im Raum schon längst verstanden hatten, dass ich dieses ganze Wissen nicht zufällig irgendwo aufgeschnappt haben konnte, hetzte mein Gegenüber immer noch übel gegen Schwule und Lesben. Erst nach den Worten „Ich bin übrigens auch schwul.“, machte er ne kurze Pause, sagte dann noch mal etwas wirklich Dummes und verließ dann den Raum – er musste „dringend zum Kopierer.“

Anschließend unterhielt mich noch lange mit den anderen Kollegen über Schwulsein, Coming- out, Polizei etc. Es gab jede Menge Fragen und Gesprächsbedarf. Das Interesse an dem Thema war überraschend groß und so mancher Vorbehalt schien schnell ausgeräumt zu sein. Keiner schlug in die selbe Kerbe wie der homophobe Kollege und viele entschuldigten sich für sein seltsames Verhalten.

Wochen später erfuhr ich, dass die Kollegen sich, bald nach meinem Abschied, mit dem betroffenen Kollegen zusammengesetzt hatten und man dabei zu dem Entschluss gekommen war, dass die Grundlage für eine gute Zusammenarbeit nicht mehr vorhanden ist – der Kollege verließ das KK.

Den Umgang mit Schwulen und Lesben lernen die Kollegen am Besten, wenn man sich ihnen gegenüber offenbart – viele Vorurteile werden dann schnell über Bord geworfen!
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…aus Sicht der KollegInnen

An der Fortbildungsstelle der Polizei Köln wurden ca. 2 Jahre Seminare zum Thema
„Polizei, Lesben, Schwule…“ gegeben.
In Arbeitsgruppen wurden die Kolleginnen und Kollegen (überwiegend hetero) befragt, was zu einem outingfreundlichen Klima beitragen könnte. Unter dieser Überschrift wurden folgende Fragestellungen erarbeitet. Hier die Ergebnisse:

1. Was kann die/der Betroffene aus Sicht der
KollegInnen tun?

– zunächst in die Dienstgruppe integrieren

– frühzeitig outen, ohne erst ein „Lügengerüst aufzubauen“, dabei selbst auf die anderen (KollegInnen) zugehen

– Hilfe beim Vorgesetzten einfordern

– Erfahrungen von geouteten KollegInnen, VelsPol-Mitgliedern oder ggfs. dem SAP einholen

– anlassbezogen thematisieren, das richtige „Timing“
abwarten

– die Partnerin/den Partner nicht verleugnen und zu Feten, pp. mitbringen


nach einem Outing:

– Offenheit, eigenes Wissen weitergeben, Infoaustausch

2. Was können die Kollegen tun?

– Interesse an der Person an sich zeigen (keine Reduzierung auf ihre/seine Sexualität)

– Gesprächsbereitschaft zeigen

– selbst keine unsachlichen Bemerkungen machen

– Toleranz vorleben

3. Was kann die/der Vorgesetzte tun?

– grundsätzlich alle Dienstgruppenmitglieder gleichbehandeln

– Intensivierung des Zusammengehörigkeitsgefühls

– eigene Einstellung auch allg. zum Thema Mobbing darlegen

– Thema im Dienstunterricht einbringen, bspw. Vorstellung der Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen

– Rückendeckung der Geouteten und entsprechende Gespräche mit ihnen führen

– Toleranz selbst vorleben

– allgemein keine geschlechtsbezogenen Bewertungen

– sofortiges und konsequentes Einschreiten bei Fehlverhalten

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