Suizid Peter Zimmermann

Peter Zimmermann * 28.05.1960, † 23.05.2001

Am 30.05.2001 erreichte den Vorstand die traurige Nachricht, dass sich unser Vereinsmitglied im Vorstand, Peter Zimmermann, am Mittwoch, 23.05.2001, in Wiesbaden auf einem Bolzplatz das Leben nahm.
Für uns noch unfassbar und mit großem Bedauern, auch seinen Eltern und Verwandten gegenüber, möchten wir uns von unserem Freund, Weggefährten, Kollegen und aktivem Vorstandsmitglied in guter Erinnerung verabschieden.
Nach Auskunft der zuständigen Dienststelle in Wiesbaden, nahm sich Peter am frühen Morgen des 23.05.2001 auf einem Bolzplatz in Wiesbaden das Leben, in dem er sich mit brennbarer Flüssigkeit übergoss und dann selbst in Brand setzte.
Erst durch die Recherche bei seinem Zahnarzt konnte schließlich am Montag, 28.05.2001, endgültig seine Identität geklärt werden.
Als Grund für die Selbsttötung gab Peter in einem Abschiedsbrief unter anderem enorme finanzielle Probleme an, Probleme mit seiner Sexualität und seiner Homosexualität und nicht zuletzt Mobbing unterschiedlicher Art auf seiner Dienststelle. Leider wusste keiner von uns, wie es wirklich um ihn stand, da er hierüber mit keinem von uns gesprochen hat.
Die Trauerfeier fand am 11. Juni 2001 auf dem Friedhof in Wiesbaden-Biebrich statt.
Wir bedanken uns bei Peter für sein Engagement in unserem Arbeitskreis.

Für den Vorstand des AHPol Hessen e.V.

Sven D.

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Auszug aus einem Brief unseres Schriftführers

Liebe Mitglieder und Freunde,

wie ihr ja soeben über das Rundschreiben von Sven erfahren habt, hat sich “unser Mann vom BKA” und Vorstandsmitglied Peter Zimmermann entschlossen, freiwillig aus dem Leben zu scheiden, was er dann auch am 23. Mai in Wiesbaden-Gräselberg auf recht grausame Weise in die Tat umsetzte. Ich will hier und jetzt nicht darüber spekulieren, was seine genaueren Motive gewesen sind; der Abschiedsbrief enthält eine Reihe von Möglichkeiten, die zu seinem offenbar endgültigen und unwiderruflichen Entschluss geführt haben werden.

Doch unwillkürlich fragt man sich natürlich, was haben wir, was habe ich, falsch gemacht!
Ich muss zugeben, bereits die ganze Nacht darüber nachgedacht zu haben und keine befriedigende Lösung gefunden zu haben.

Obwohl Peter Zimmermann ja erst vor einigen Monaten zu uns gestoßen ist, hat er sich bereits aktiv in die Vereins- und vor allem politische Arbeit eingemischt. Unvergessen wird mir wohl immer sein Engagement sein, mit dem er sich für den Verein gemeinsam mit mir an der Sitzung des “Runden Tisches” am 9. März diesen Jahres im Sozialministerium in Wiesbaden beteiligte und dort auch durch konkrete Vorschläge einiges ins Rollen gebracht hat.

Waren für uns wirklich keine Anzeichen für seine innere Verfassung zu entdecken ? Haben wir eventuell auf seine Signale falsch oder überhaupt nicht reagiert. Ich habe lange darüber nachgedacht und meine auch bei gründlicher Überlegung: nein.

Denn obwohl sich die Emanzipation homosexueller Lebensweise sinnbildlich und augenfällig mit den Ereignissen im Juni 1969 in New York etablierte und heute eigentlich niemand mehr wegen seiner von der sog. “normalen” heterosexuellen Gesellschaftsform abweichenden sexuellen Orientierung zu verstecken braucht (siehe die zunehmende Akzeptanz schwulen und auch lesbischen Lebens vor allem in den Metropolen, in rechtlichen Ragen und dem persönlichen Umfeld), stoßen wir natürlich immer wieder und in vielen Bereichen an unsere Grenzen.

Wir wir aus anderen, durchaus vergleichbaren Fällen wissen, sind unsere Möglichkeiten insbesondere bei Fällen von immer noch vorkommendem Mobbing und auch finanziellen Schwierigkeiten, die oft sogar nahe beieinander liegen, meistens recht beschränkt.

Kommen dann noch persönliche (zwischen-) menschliche Probleme hinzu, kann eigentlich nur noch eine starke Persönlichkeit oder die Einbettung in tiefergehende, ernsthafte Freundschaften hilfreich sein.

Ich vermute, dass die Mitgliedschaft im AHPol für Peter eine der (vielleicht sogar gesuchten) Möglichkeiten gewesen wäre, aus seiner vielleicht selbst gezogenen Isolation auszubrechen. Doch dazu hätte es des (er-) klärenden Gespräches bedurft; der Schilderung seiner persönlichen Situation und der Hoffnung, dass man selbst daraus noch eine positive Wendung erreichen kann. Sicher, auch die zwischenmenschliche “Chemie” muss stimmen und der jeweilige Ansprechpartner sollte in der Lage sein, auf die persönlichen Belange des Betroffenen in seinem Sinne einzugehen und zu reagieren; eventuell sogar helfen zu können.

Aber soweit ich aus anderen Fällen weiß, ist es niemals hilfreich, Probleme in sich “hineinzufressen” und sich niemandem auch nur annäherungsweise zu offenbaren. Denn auch gerade dadurch können wir viele unserer persönlichen Probleme unserer Umwelt viel deutlicher machen; nicht (nur) als “Hilferuf”, sondern auch zur Verdeutlichung mancher Handlungsweisen, die anders kaum zu verstehen sein werden oder nur schwierig vermittelbar sind. Ob daraus eine persönliche Hilfe entsteht, muss dann der jeweilige Einzelfall ergeben; doch schon die Möglichkeit des gemeinsamen Suchens nach Lösungen und des persönlichen Rückhaltes alleine ist meiner Meinung (und auch Erfahrung) nach schon wichtig.

Wir müssen immer daran denken: alle Menschen (nicht nur Homosexuelle) brauchen unsere Unterstützung und Hilfe, wenn sie in Schwierigkeiten sind. Vor allem, wenn sie zu den jeweiligen Minderheiten, Außenseitern oder anderen so genannten “Randgruppen” gehören. Gerade uns als Polizisten oder Polizeibeschäftigten wird dies jeden Tag erneut deutlich vor Augen geführt. Aber umgekehrt bedeutet das natürlich auch, dass wir unsere Schwierigkeiten nicht für uns behalten, sondern mit ruhigem Gewissen über den Weg der Kontaktaufnahme die Hilfe anderer in Anspruch nehmen sollten, zumal wenn sie gerne geboten wird. Auch dies ist eine unserer Aufgaben als AHPol Hessen, aber auch als Mensch.

Peter Jüngling (Schriftführer)

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Was die Presse darüber schrieb:

Bei totem Mann ist Zahnarzt gefragt – Wiesbadener Kurier
Brandleiche am Gräselberg nicht identifiziert (vom 26.05.2001)

hed. – Im Fall der Brandleiche am Sportplatz Gräselberg ist jetzt ein Zahnarzt gefragt. Eine so genannte visuelle Identifizierung war auf Grund des Zustandes der Leiche nicht mehr möglich.
Jetzt suchen die Beamten unter anderem nach Unterlagen aus denen hervorgeht, welcher Zahnarzt die aufwändigen Zahnreparaturen vorgenommen hat.
Der Zahnarzt könnte dann anhand des Zahnstatus, der bei der Obduktion erhoben wurde, dazu beitragen, die Identität des Toten zu klären. Die Beamten des Fachkommissariats K 10/SG 11 teilten gestern gleichzeitig mit, dass sie derzeit einen sehr konkreten Hinweis überprüfen.

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Zähne als Schlüssel zur Identität? – Wiesbadener Kurier
Brandleiche könnte aus Wiesbaden stammen (vom 26.05.2001)

WIESBADEN (dir) Bei der Identifizierung der männlichen Leiche, die am frühen Mittwochmorgen am Rande des Gräselberger Sportplatzes entdeckt wurde, verfolgt die Kriminalpolizei nun eine konkrete Spur. Der Körper des Mannes war bis zur Unkenntlichkeit verbrannt und wurde von einer Passantin entdeckt (wir berichteten).
Ein erster Abgleich mit der regionalen Vermisstendatei blieb zwar erfolglos, aber ein Hinweis aus der Bevölkerung führte die Ermittler gestern zu einer Wohnung in Wiesbaden. Darin suchen die Beamten nach Spuren, die mit dem Leichnam in Verbindung gebracht werden könnten.
Dazu äußerte sich gestern Nachmittag ein Sprecher der Polizei gegenüber dem KURIER: “Eine visuelle Identifizierung der Person ist auszuschließen”. Daher konzentriert sich die Suche nun auf etwaige Unterlagen, aus denen hervorgeht, welcher Zahnarzt bei dem Mann die aufwändigen Zahnreparaturen durchgeführt hat. Dieser könnte den Toten identifizieren.
Darüber hinaus wird nach organischen Spuren – Haare oder Hautschuppen – gesucht, die eine gentechnische Identifizierung zulassen.
Nach wie vor sei unklar, ob sich der Tote selbst oder eine zweite Person ihn anzündete, so der Polizeisprecher. Noch sei die Arbeit der Rechtsmediziner an der Frankfurter Wolfgang-Goethe-Universität nicht abgeschlossen. Diese versuchen auch herauszufinden, ob der bislang Unbekannte bereits tot war oder noch lebte, als das Feuer gelegt wurde.
Bei der Erstuntersuchung jedoch wurden keine Spuren von Gewaltanwendung – etwa Einstiche oder Schusswunden – festgestellt. Ob das Feuer letztlich die Todesursache war, konnte die Polizei gestern ebenso wenig bestätigen, wie die Frage, ob der Fundort auch als Tatort in Frage kommt.
Indes läuft die kriminaltechnische Auswertung der Spuren, die am Fundort sichergestellt wurden. Man habe dort unter anderem Bodenproben genommen, um festzustellen, welche Substanzen als Brandbeschleuniger eingesetzt wurden.

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Brandleiche: Polizei auf heißer Spur (vom 29.05.2001) – Wiesbadener Kurier

WIESBADEN (be) Die Polizei hat im Fall der Brandleiche vom Gräselberg “viele gute Anhaltspunkte”, aber der entscheidende Beweis zur Identifizierung des unbekannten Toten fehlt noch. Wie Polizeisprecher Helmuth Klinger sagt, habe sich der Hinweis aus der Bevölkerung, der die Ermittler zu einer Wiesbadener Wohnung führte, als viel versprechend entpuppt: “Da stimmt einiges mit den bisherigen Erkenntnissen überein”.
Dennoch will Klinger den Ermittlungen nicht vorgreifen, man wolle den Fall am Ende kompakt präsentieren. Es geht einmal um die Identifizierung, “eine Sisyphusarbeit”, als auch darum, ob es nun eine Selbsttötung war oder ob der Mann, der Brustpiercing und Ohrring trug, zwischen 30 und 40 Jahre alt, 1,70 Meter groß und sportlich war, einem Verbrechen zum Opfer fiel. Das Institut für Rechtsmedizin der Universität Frankfurt könnte mittels Haaranalyse gentechnische Beweise liefern, da sowohl „visuell“ als auch mit Fingerabdrücken aufgrund des Zustandes nichts zu machen ist. Auch wurde gestern bei einem Zahnarzt recherchiert, der möglicherweise die aufwändigen Brücken und Kronen gemacht hat.

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Brandleiche wurde identifiziert (vom 30.05.2001) – Wiesbadener Kurier

WIESBADEN (red) Die vor einer Woche in Gräselberg gefundene Brandleiche ist identifiziert. Nach Angaben der Polizei handelt es sich bei dem Toten um einen 40 Jahre alten Mann aus Wiesbaden. Die Ermittlungen haben ferner eindeutig ergeben, dass der Mann den Freitod gewählt hat. Der 40-Jährige war laut Polizei hoch verschuldet und hatte starke psychische Probleme.

Die Identifizierung war anhand des Gebisses möglich. Wie berichtet war die Polizei aufgrund von Zeugenaussagen auf eine Wohnung aufmerksam geworden, die sich als die des Mannes herausstellte. Dort wurden Unterlagen gefunden, die es ermöglichten, seinen Zahnarzt ausfindig zu machen.

Der 40-Jährige hatte sich am 23. Mai am Bolzplatz der Ludwig-Beck-Schule mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und angezündet. Er konnte noch einige Meter rennen, bevor er zu Boden stürzte und starb.

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